Phytotherapie und Heilpflanzen


Phytotherapie ist die Wissenschaft, die die Anwendung pflanzlicher Produkte (Heilpflanzen oder deren Derivate) zu therapeutischen Zwecken untersucht, sei es zur Vorbeugung, Linderung oder Heilung von Krankheiten oder zur Erhaltung der allgemeinen Gesundheit. Etymologisch stammt der Begriff von den griechischen Wörtern „Phytos“ (Pflanze) und „Therapeia“ (Therapie). Obwohl es sich um eine uralte Praxis handelt, gilt sie heute als wissenschaftliche Disziplin, die strenge Methoden zur Extraktion und Standardisierung der Wirkstoffe von Pflanzen anwendet. Im Gegensatz zur synthetischen Medizin, die üblicherweise ein einzelnes Molekül isoliert, nutzt die Phytotherapie den Phytokomplex: die Gesamtheit der Wirkstoffe in der Pflanze, die synergistisch wirken (sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken). Sie wird hauptsächlich zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Beschwerden und als unterstützende Therapie bei chronischen Erkrankungen eingesetzt. 

Pflanzliche Präparate sind mehr als nur Tees. Je nach Pflanzenteil (Wurzel, Blatt, Blüte) und Verwendungszweck sind sie als Aufgüsse und Abkochungen in heißem Wasser, als Trockenextrakte in Form von Kapseln oder Tabletten mit hoher Konzentration sowie als Tinkturen erhältlich. Tinkturen sind alkoholische Lösungen, die durch Mazeration gewonnen werden und die Wirkstoffe erhalten. Ätherische Öle sind hochwirksame, flüchtige Extrakte zur äußerlichen Anwendung und Inhalation. Die orale Einnahme kann bei manchen Patienten starke Reaktionen und Allergien hervorrufen. Daher empfiehlt es sich, einige Tropfen in die Ellenbeuge zu geben und einige Stunden zu warten, bevor man sie einnimmt.

Pharmakognosie: Die Wissenschaft vom Ursprung.
Die Pharmakognosie (vom griechischen pharmakon, Arzneimittel, und gnosis, Wissen) ist der Zweig der pharmazeutischen Wissenschaft, der Arzneimittel und Hilfsstoffe biologischen Ursprungs untersucht. Ihr Ziel ist die Identifizierung, Konservierung und Analyse von Naturstoffen mit biologischer Wirkung.
Identifizierung (Botanik und Mikroskopie): Sie stellt sicher, dass es sich bei der gesammelten Pflanze um die richtige handelt und nicht um eine ähnliche, möglicherweise toxische Art.
Phytochemie: Sie analysiert die chemischen Bestandteile. Dabei wird nicht nur der Wirkstoff, sondern auch sekundäre Pflanzenstoffe (Alkaloide, Flavonoide, Terpene usw.) untersucht.
Qualitätskontrolle: Sie bestimmt die Reinheit des Arzneimittels (Abwesenheit von Schwermetallen, Pestiziden oder Bakterien) und die Mindestmenge des Wirkstoffs, die für eine Wirksamkeit erforderlich ist.
Extraktion und Konservierung: Sie untersucht den optimalen Erntezeitpunkt (Zeitpunkt der maximalen Wirkstoffkonzentration) und wie die Pflanze getrocknet oder gelagert werden kann, ohne ihre Eigenschaften zu beeinträchtigen.

Phytotherapie: Klinische Anwendung. Dies ist die medizinische Anwendung von Pflanzen. Ihre Beziehung zur Pharmakognosie ist eine der Abhängigkeit: Die Phytotherapie benötigt die Pharmakognosie, um sicherzustellen, dass die vom Patienten eingenommenen Präparate sicher und standardisiert sind.
Schlüsselkonzepte der fortgeschrittenen Phytotherapie:
Der Phytokomplex: Im Gegensatz zu einem synthetischen Arzneimittel (einem einzelnen Molekül) bewertet die Phytotherapie die Gesamtheit der Moleküle in der Pflanze. Manchmal trägt eine Begleitsubstanz dazu bei, dass der Hauptwirkstoff besser aufgenommen wird oder reduziert dessen Nebenwirkungen. Standardisierung:
Dies ist der (pharmakognostische) Prozess, der sicherstellt, dass jede Kapsel oder jeder Tropfen exakt die gleiche Menge an Wirkstoff enthält. Ohne dies wäre die Phytotherapie ungenau.

Wichtige Vorsichtsmaßnahmen:
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass etwas, das natürlich ist, nicht schaden kann. Pflanzliche Arzneimittel erfordern ärztliche Aufsicht, da Wechselwirkungen auftreten können. Bestimmte Pflanzen können die Wirkung von Medikamenten aufheben oder verstärken (z. B. interagiert Johanniskraut mit vielen Medikamenten).
Dosierung: Eine Überdosierung kann toxisch sein.
Gegenanzeigen: Nicht alle Pflanzen sind für Schwangere, Kinder oder Menschen mit bestimmten Erkrankungen (wie Bluthochdruck oder Niereninsuffizienz) geeignet.

Der Begriff „Arzneimittel“: Obwohl er heutzutage mit Substanzen für den Freizeitgebrauch in Verbindung gebracht wird, hat er eine andere Bedeutung. Alle Heilpflanzen besitzen ein „Arzneimittel“, also den Pflanzenteil, der die Wirkstoffe enthält (Blüte, Blatt, Wurzel usw.), die zur Verbesserung des Gesundheitszustands beitragen.